Inhalt: Fachbereichsleiterin Doris Salomé verlässt nach 27 Jahren die Samtgemeinde Mittelweser

Regionales Lesezeit ca. 5 Minuten

Fachbereichsleiterin Doris Salomé verlässt nach 27 Jahren die Samtgemeinde Mittelweser

Ihr Schreibtisch im Rathaus Landesbergen ist leer, die Sachen sind gepackt. Baufachbereichsleiterin Doris Salomé (52) hat heute ihren letzten Tag in der Samtgemeinde Mittelweser. Sie wechselt zur Gemeinde Weyhe – nach 27 Jahren in der Verwaltung der Gemeinde Stolzenau und der Samtgemeinde Mittelweser. Doris Salomé, eher als Doris Engelking bekannt, wohnt seit ihrer erneuten Heirat in Bruchhausen-Vilsen.

Fachbereichsleiterin Doris Salomé verlässt nach 27 Jahren die Samtgemeinde MittelweserDie Harke

„Ich arbeite künftig dort, wo ich meinen Lebensmittelpunkt habe“, sagt sie. Auch wenn sie sich auf ihre neue Aufgabe als Fachbereichsleiterin Bauen und Liegenschaften in Weyhe, einer Gemeinde mit 30 000 Einwohnern freut, der Abschied fällt ihr nicht leicht. „Ein echt komisches Gefühl. Das berührt mich sehr“, sagt sie in einem HARKE-Gespräch.

Als Doris Salomé im Herbst vor 27 Jahren ihren Dienst bei der Gemeinde Stolzenau begann, tat sie das in einer Zeit des Umbruchs. Der damalige Gemeindedirektor Enno Akkermann war wenige Wochen zuvor plötzlich gestorben. Sie hatte ein paar Monate vorher eine Initiativbewerbung an den Landkreis Nienburg geschickt. Oberkreisdirektor Dr. Wilfried Wiesbrock hatte ihre Bewerbung offenbar gefallen und sie an die Gemeinde Stolzenau weitergereicht mit dem Hinweis, dass es gut sei, wenn die Verwaltung durch eine Mitarbeiterin im gehobenen Dienst verstärkt würde.

Aufgewachsen im Landkreis Osnabrück hat Salomé ihre Ausbildung für den gehobenen allgemeinen Verwaltungsdienst bei der Bezirksregierung Weser–Ems gemacht, wo sie in den Außenstellen Osnabrück und Aurich beschäftigt war. Nach ihrer Ausbildung wechselte sie zum Amt für Agrarstruktur nach Sulingen. In den 90er-Jahren habe sie bewegte Zeiten erlebt, privat mit der Geburt ihrer drei Kinder – zwei Jungen und ein Mädchen – und beruflich unter der Leitung des Gemeindedirektors Christian Lauenroth. „Ihm gelang es, eine sinnvolle Verwaltungsstruktur zu schaffen. Und er hatte Visionen und Ziele – nicht alles war realistisch. So ist Stolzenau nie auf die von ihm angestrebten 10000 Einwohner angewachsen, aber viele Ideen und Konzepte, die im Zuge der Konversion des Militärstandortes entwickelt wurden, haben sich über seine Amtszeit hinaus als gut und tragfähig herausgestellt“, erzählt Salomé.

Nach einem dreijährigen Erziehungsurlaub stieg sie im Herbst 1999 wieder in das Arbeitsleben ein. Christian Lauenroth betätigte sich zwischenzeitlich in Glücksstadt, und Uli Rokahr war zum ersten hauptamtlichen Bürgermeister der Gemeinde Stolzenau gewählt worden. „Zwei große Aufgaben warteten auf mich. Zum einen die Neufassung des Fächennutzungsplanes, die in der Amtszeit von Christian Lauenrroth begonnen wurde und die ich erfolgreich bis zu ihrem Abschluss begleitet habe. Diese Leistung einer kleinen Gemeinde war der damals noch existierenden Bezirksregierung immerhin eine Pressemitteilung im Niedersachsenteil der Zeitung wert. Das zweite große Projekt, mit dem ich bei meinem Wiedereinstieg in den Beruf mit befasst war, war der Neubau der Regenbogenschule. Auch nach über 15 Jahren in Nutzung ein klasse Gebäude und ein Beispiel dafür, dass sich mutige Entscheidungen im Nachhinein oft als richtig erweisen.“

2002 die Bitte aus den Reihen des Gemeinderates, Doris Salomé möge die allgemeine Vertretung des Bürgermeisters übernehmen, verbunden mit dem Wunsch: „Wir möchten einen Menschen im Rathaus haben, auf den wir uns verlassen können.“ Sie habe diese Aufgabe übernommen „und – soweit ich das zu vertreten hatte – dafür gesorgt, dass die politischen Vertreter alle Informationen erhalten, um sachgerechte Entscheidungen treffen zu können. Manchmal waren auch Informationen dabei, die die Politik lieber nicht gehabt hätte. Ich habe – wie es meiner Natur entspricht – immer offen, ehrlich und transparent gehandelt. Intrigen und Spielchen sind nicht mein Ding.“

2006 die verlorene Bürgermeisterstichwahl gegen Bernd Müller. Sie sei eben nicht die Rampensau, gibt sie zu. Sie sei enttäuscht gewesen, und nach der Wahl habe es zwischen ihr und Müller „ganz schön gewackelt“. Aber: „Wir haben es über eine Mediation hinbekommen und sind uns nicht mehr in die Quere gekommen.“

In der Rückschau sei sie erstaunt, womit sie in ihrer Zeit bei der Gemeinde Stolzenau und der Samtgemeinde Mittelweser Berührung hatte. Sei es der kurz vor Toresschluss missglückte Zusammenschluss zum Zweckverband „Linkes Weserufer“, oder gelungene Projekte wie der Erhalt des Klosters Schinna. Salomé war als Fachbereichsleiterin verantwortlich für die Einführung des doppischen Haushaltes in der Gemeinde Stolzenau und war an der Weiterentwicklung und am Ausbau der Kindertagesstätten in der Samtgemeinde intensiv beteiligt.

Auch an der Fusion arbeitete sie mit. „Meine Leidenschaft liegt im Bereich Planen und Bauen“, sagt sie. „Ich freue mich, dass sich auch umstrittene Entscheidungen, für die wir als Verwaltung gefochten haben, als richtig herausgestellt haben, so das Biowärme-Konzept für das Freibad Stolzenau oder der Erhalt des Alten Bahnhofes der Steinhuder Meerbahn, in dem die vor kurzem zertifizierte Tourist-Info der Samtgemeinde beheimatet ist ebenso wie der einzige barrierefrei zugängliche öffentliche Sitzungs- und Veranstaltungsraum im Ortskern von Stolzenau. Mir war es wichtig, Förderprogramme optimal zu nutzen, damit man auch mit wenig Geld in der Kasse Infrastruktur erhalten und weiter entwickeln kann und den Bürgerinnen und Bürgern gute Angebote machen kann.“ Sie freue sich über das Vertrauen, das ihr von vielen Bürgern und aus Reihen der Politik entgegen gebracht worden sei.

„Meinen Kollegen gebührt größter Dank. Besonders schätze ich an ihnen, dass sie nicht nur fachlich einwandfrei Tag für Tag ihre Aufgaben abarbeiten, sondern mit Herzblut für ihre Projekte einstehen. Sie sei in einer Zeit des Umbruchs gekommen und werde die Samtgemeindeverwaltung in einer Zeit des Umbruchs verlassen. „Für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in meinem Fachbereich keine leichte Aufgabe. Ich wünsche ihnen Kraft und Geduld, um mit dem Umbruch weiter positiv umzugehen – vor allen Dingen wünsche ich ihnen, dass sie bei allem Umbruch und zunehmenden administrativen Anforderungen von außen und aus dem eigenen Haus die Leidenschaft für ihre Aufgaben nicht verlieren.“

Trotz der 30000 Einwohner ist Weyhe wie einst Stolzenau eine Einheitsgemeinde. „Wenn man lange in einer Einheitsgemeinde gearbeitet hat, muss man die Samtgemeinde erst lernen“, sagt sie. „Das ist eine andere Arbeitsweise. Das haben wir unterschätzt.“ Dankbar ist Doris Salomé auch über die vielen Begegnungen, die ihr ihr Wirken in Landesbergen, Stolzenau und umzu beschert hat. „So hat mich während des Wahlkampfes 2006 ein honoriger Stolzenauer Bürger angesprochen: ,Sie sind mir als mutig und eigenwillig beschrieben worden.‘ Ich habe das als Kompliment aufgefasst.“

Q.: Die Harke (22.9.2017)

Quelle:

Veröffentlicht:

mehr Regionales

Sparkasse Nienburg
Themen