Inhalt: Mit mutigen Schritten Veränderungen wagen

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Mit mutigen Schritten Veränderungen wagen

Das Jahr 2017 neigt sich dem Ende entgegen – Zeit für die HARKE-Serie zwischen den Feiertagen, in der die Verwaltungschefs der vier Südkreis- Kommunen eine Bilanz des vergangenen Jahres ziehen und zugleich einen Blick in die Zukunft wagen. In diesem Jahr trägt die vierteilige Reihe den Titel „Ein Jahr in Superlativen“. Eben solche haben wir den Bürgermeistern vorgegeben. Was Jens Beckmeyer, dem Bürgermeister der Samtgemeinde Mittelweser, dazu eingefallen ist:

Mit mutigen Schritten Veränderungen wagenSamtgemeinde Mittelweser

Wegweisendstes Projekt, das wir umgesetzt haben, war ...

... die Sanierung des Weserdeiches in Müsleringen. Hier werden über eine halbe Million Euro investiert. Das Investment allein ist allerdings aus meiner Sicht nicht entscheidend, sondern dass es sich um ein Projekt handelt, bei dem die Samtgemeinde Mittelweser in „Vorleistung“ tritt. Grundsätzlich sind hier die Anlieger zuständig. Die Vielzahl der privaten Grundstückseigentümer erschwerte allerdings eine Organisation dieses Projektes, so hat sich die Gemeinde Stolzenau (heute Samtgemeinde Mittelweser) mit Unterstützung des Landkreises Nienburg dieses Projektes angenommen und erreicht, dass in einem großen Umfang Fördergelder eingesetzt werden. Dieses Beispiel ist für mich wirklich gelebte „Gemeinde“, zeigt es doch deutlich, dass wir als Kommune im Interesse der Bürger erfolgreich arbeiten. Dieses Projekt belegt, dass der lange Atem meiner Kollegen, der Anlieger und meiner Amtsvorgänger letztlich zu einem erfolgreichen Ende führen wird.

Kostspieligste Investition war ...

Kostspieligste Investition, das hört sich für mich nach „Wagnis/Risiko“ an. Entgegen der weitläufig verbreiteten Meinung, dass Politik und Verwaltung leichtfertig Gelder ausgeben, kann ich diese Auffassung nicht teilen. Die Räte beschäftigen sich sehr intensiv mit den Verwaltungsvorschlägen bzw. eigenen Ansätzen, gerade in Zeiten der Haushaltskonsolidierung. Der Anbau der Krippe in Husum für über 300 000 Euro ist für mich ein gutes Beispiel dafür. Nicht nur die zuständigen Gremien im Rat der Samtgemeinde, sondern auch im Rat der Gemeinde Husum (Kostenträger) haben sich intensiv mit etwaigen Alternativen und den Kosten beschäftigt. Letztlich ist dieses Projekt aufgrund des gemeinsamen Ziels aller Beteiligten, diese neue Krippengruppe zum 1. August 2017 zu eröffnen, in kurzer Zeit gelungen. Ebenso sind die Räte in der Samtgemeinde eine kostenintensive, aber zukunftsweisende Verpflichtung eingegangen: Der Breitbandausbau wird eine der größten Investitionen für die nächsten Jahre. Als Mandatsträger in den Räten und als Verwaltung wollen wir von Diethe im Süden bis Schessinghausen im Norden der Samtgemeinde Voraussetzungen schaffen, damit die digitale Infrastruktur unabhängig vom Wohnort vorhanden ist.

Die spannendste Unterhaltung hatte ich mit ...

… Elfen und Orks in Brokeloh. Abseits vom Alltag leben hier Gleichgesinnte zusammen, die neugierig aufeinander sind und gemeinsam in einer Fantasiewelt für einige Tage ganz real leben. Spannend war auch ein Besuch von Schülern der Regenbogenschule Stolzenau, die sich mit dem Ort und der Gemeinde beschäftigt hatten. Der Besuch der Kinder im Rathaus zeigte mir, wie sehr auch schon Kinder erkennen, was für eine Gemeinde wesentlich ist: „Sauberes Wasser, Geld für die Armen, Umwelt, Tiere, Kindergarten, Schule und Straßen“ zum Beispiel. Es waren keine Einzelvorstellungen, sondern alles Einrichtungen und Themen, die wir Erwachsenen als gute Daseinsvorsorge einer Kommune sehen.

Am wenigsten gerechnet habe ich mit ...

… dem vielen Regen beim Kreiszeltlager der Jugendfeuerwehren. Dennoch war es eine gelungene Veranstaltung, hervorragend organisiert durch die Kreisjugendfeuerwehr mit der Feuerwehr Stolzenau und den Wehren aus der ganzen Samtgemeinde. Ich finde es bemerkenswert, wie viele Frauen und Männer ehrenamtlich über eine Woche Zeltlager für diese 1000 Jugendlichen organisierten. Hierfür herzlichen Dank! Und wer hätte zu Beginn des Jahres 2017 schon damit gerechnet, das der nächste Kultusminister aus Leese kommt? Ich freue mich persönlich und für die Samtgemeinde über diese herausgehobene Aufgabe des Leeser Bürgermeisters in unserer neuen Landesregierung.

Die schönste Nachricht war ...

… die meiner Kollegen, dass es uns zum neuen Kindergartenjahr wieder gelungen ist, die Betreuungswünsche der Eltern weitestgehend zu erfüllen. Verlässlich organisierte Betreuungszeiten sind Grundvoraussetzung für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Meine Überzeugung ist, dass wir bei dem Aufbau der Betreuungsangebote noch nicht am Ende sind. Fast alle politischen Vertreter stehen zum Ausbau der Kinderbetreuung. Wenn zum Beispiel in den Gemeinden Husum, Estorf und Stolzenau die Differenz zwischen allen gemeindlichen Einnahmen und allen zwingend zu leistenden Umlagen geringer ist als die gemeindlichen Aufwändungen für die Kinderbetreuung sind, dann frage ich mich, warum diese erdrosselnde Wirkung für die Gemeinden auf anderen politischen Ebenen so wenig wahrgenommen wird? Bei diesen Beiträgen der oben genannten Gemeinden für die Kinderbetreuung wäre selbst die Einstellung aller gemeindlichen freiwilligen und sonstigen Pflichtaufgaben nicht ausreichend, um ausgeglichene Haushalte vorzulegen. Wie soll das funktionieren?

Verzichtet hätte ich hingegen am liebsten auf ...

… die vielen schweren Unglücksfälle in der Samtgemeinde Mittelweser: das Zugunglück in Leese, große Feuerwehreinsätze in Landesbergen beim Kraftwerk sowie bei einem Leeser Unternehmen. Allerdings erfüllt es mich auch mit Stolz, dass unsere vielen ehrenamtlichen Helfer in den Feuerwehren und Rettungsdiensten mit den hauptamtlichen Akteuren so hervorragend Hand in Hand arbeiten. Zuletzt zeigte sich dies bei der Evakuierung Stolzenaus, die anlässlich der Bombenentschärfung reibungslos verlief. Diese ehrenamtliche Leistung kann nicht hoch genug bewertet werden, gibt es den Kindern, Frauen und Männern in der Samtgemeinde Mittelweser doch ein gutes Gefühl, das Hilfe da ist, wenn wir sie brauchen.

Den kleinsten gemeinsamen Nenner hatte ich ...

… beim Kindergartenfest in Landesbergen als es darum ging, ob die Kinder sich beim Buffet vordrängeln durften. Sie hatten eine wichtige Verabredung zum Spieltermin und ich war eigentlich als nächster dran. Ich muss zugeben, die Argumente der Kinder waren stärker als meine.

Größter Wermutstropfen war ...

... dass aufgabenorientierte und personalrechtliche Entscheidungen von mir getroffen werden mussten, die auch Kollegen enttäuschten.

Die unvernünftigste Entscheidung war ...

… dass die Ortsumgehung Estorf und Leeseringen nicht im vordringlichen Bedarf des Bundesverkehrswegeplans aufgenommen wurde. Im Ergebnis hätte dieser Bundesverkehrswegeplan eine neue Achse von der nach Ostwestfalen führenden B 482 bis zu der nach Hannover führenden B 6 schaffen können. Diese Trassenplanung wäre zukunftsweisend für die Region und insbesondere für die Menschen an der B 215 von Leese bis Leeseringen gewesen. Estorf und Leeseringen nicht im vordringlichen Bedarf zu sehen, mag rechnerisch nachvollziehbar sein, aber in der Gesamtbetrachtung meines Erachtens nicht zielführend.

Und die schwerste ...

… die Priorisierung von Maßnahmen in der Verbunddorferneuerung der Weser- Meerbachregion und den Dorferneuerungen für die Entscheidungen in den Ausschüssen der Räte vorzubereiten. Die Menschen in den Gemeinden Leese, Landesbergen, Estorf und Husum sowie Stolzenau sind mit großen Engagement gestartet. Es wurden Erwartungen geweckt, die nicht alle gleichzeitig befriedigt werden können. Als Verwaltung wollen wir mit einer realistischen Priorisierung hier ehrlich kommunizieren, was finanziell und durch uns als Verwaltung leistbar ist. Transparenz und Zuverlässigkeit sind die wichtigsten Voraussetzungen für eine gute Zusammenarbeit mit den ehrenamtlich Engagierten.

Heißeste Diskussion war die ...

… zur Erhöhung der Samtgemeindeumlage Anfang des Jahres. Die Gemeinden und die Samtgemeinde haben unterschiedliche Aufgaben. Allerdings ist immer wieder erneut durch die Samtgemeinde festzulegen, in welchem Umfang sich die Gemeinden an der Finanzierung der Samtgemeinde beteiligen müssen. Als Verwaltung haben wir für den Haushaltsplan 2018 Wort gehalten und die Samtgemeindeumlage gesenkt. Anfang April werden wir mit den Räten diskutieren, welche Maßnahmen der Wertschöpfung für alle Haushalte, der Haushaltskonsolidierung und welche Mechanismen zur Haushaltsfinanzierung wir vereinbaren möchten. Bei der unterschiedlichen Stärke der Gemeinden wird dies ein spannender Prozess.

Die meisten Nerven gekostet hat mich ...

… der verregnete Herbst und die fehlende Zeit, mal das ganze Laub auf dem Hof zu Hause zusammen zu fegen. Naja, meine Nachbarn freut‘s.

Meinen längsten Arbeitstag hatte ich ...

… während der Haushaltsberatungen seit Oktober. Konkret kann ich das nicht beantworten, ich denke, es war an den Tagen mit Ratssitzungen am Abend.

Am lautesten gelacht habe ich als ...

… ich in Gedanken versunken, dem Navi folgend, in die falsche Richtung unterwegs war. Vorher aber noch verwundert die mehr als drei Stunden Fahrtdauer von Nendorf nach Porta Westfalica zur Kenntnis genommen habe.

Die ungewöhnlichsten Personen, die ich kennengelernt habe, waren ...

… in heutiger Zeit die fünf jungen Frauen und Männer, die als Wandergesellen mich im Büro in Landesbergen und Stolzenau besuchten. Die Motivationen und Biografien dieser jungen Menschen waren so vielfältig und interessant, dass es eine Freude war, zuzuhören. Sie erzählten von der Arbeit bei Handwerkern der Region, aber auch von Teeplantagen auf Sri Lanka. Menschen, die durch ihre freundliche, offene Art Neues erkunden, faszinieren mich. Mit Blick in die Vergangenheit waren es die Menschen, die als Juden unter uns lebten und ermordet wurden. Die Verlegung der Stolpersteine in Stolzenau holte die Erinnerung an diese Menschen zurück, die einzelnen Schicksale sind mit den Steinen jetzt auch in der Gegenwart Stolzenaus verankert.

Die böseste E-Mail hat mir geschickt ...

Böse E-Mail? Aus einigen ging tiefe Enttäuschung hervor. Böse würde ich diese nicht bezeichnen. Die Menschen, die mit deutlichen Worten schreiben, sind enttäuscht, dass die eine oder andere Entscheidung nicht in ihrem Sinne getroffen wurde. Diese Enttäuschung kann ich aus der jeweiligen Sicht nachvollziehen.

Am glücklichsten war ich, als ...

Nicht war ich, sondern bin ich, wenn ich mit meiner Lebensgefährtin Zeit verbringe.

Interessanteste Veranstaltung war ...

… ein Vortrag beim Bürgerund Heimatverein Stolzenau. Es ging um den Kiesabbau, die Entstehung, die Folgen und die Chancen für den Mittelweserraum. Der Vortrag war gut, weil er nicht von einer Interessenlage geprägt war, sondern weil der Referent vielfältigste Facetten dargestellte. Ebenso war die Feier zum Reformationsjubiläum des Kirchenkreises Stolzenau- Loccum vor der Stolzenauer Kirche eine besondere Veranstaltung. Die vielen kirchlich engagierten Menschen und die Vielfalt im Kirchenkreis ließen diesen Nachmittag wie im Fluge vergehen. Interessant war für mich auch zu erfahren, unter welcher großen Teilnahme das Leeser Volksfest – ich war das erste Mal dabei – gefeiert wurde.

Der langweiligste Termin hingegen war ...

… die Präsentation eines Vertreters, der für seine Produkte werben wollte.

Die erfrischendste Idee hatte ...

… im wahrsten Sinne des Wortes war es die „erfrischende“ Eröffnung der Freibadsaison am 1. Mai in Stolzenau und folgend in Landesbergen.

Am meisten brennt mir unter den Nägeln ...

... die angespannte Haushaltslage in den Gemeinden Estorf, Husum, Stolzenau und der Samtgemeinde Mittelweser. Die Kollegen der Verwaltung haben Vorschläge zur Haushaltskonsolidierung und Wertschöpfung ausgearbeitet. Als nächster Schritt steht hierzu die politische Diskussion an. Ich bin gespannt, ob es der Verwaltung und Politik gelingt, mit mutigen Schritten Veränderungen zu wagen.

Die größte Herausforderung, die in den kommenden Monaten auf uns wartet, ist ...

… sicherlich wieder die Frage, ob es uns gelingt, den Bedarf an Betreuungsplätzen in unseren Kitas auch für das kommenden Kindergartenjahr sicherzustellen. Die termingerechte Fertigstellung der Räumlichkeiten für eine weitere Kindergartengruppe in Husum wird wichtig sein. Eine weitere große Entscheidung für die Samtgemeinde ist die Frage, an welchem Standort die Feuerwehr Landesbergen zukünftig aufgestellt sein wird. Ebenso die Umsetzung der weiteren Maßnahmen aus den Dorferneuerungsprogrammen mit zum Beispiel einem neugestalteten Platz in Nienburger Bruch, die Sanierung des Dorfgemeinschafts- und Feuerwehrhauses in Bolsehle und der Abriss von störender Gebäudesubstanz in Landesbergen, Leese und Hibben. Außerdem die Gestaltung des „alten“ Sportheims am See in Leese und die Neugestaltung des Areals der Dorette-Knoch-Stiftung in Nendorf.

Die wichtigsten Dinge, die es außerdem anzupacken gilt, sind ...

… dass wir die Situation, die aus dem Kiesabbau entsteht, als Chance begreifen und hier heute neue Wege vorbereiten. Das anstehende Freiraum- und Naherholungskonzept ist ein Baustein, den es mit Leben zu füllen gilt. Ebenso sind wichtige Entscheidungen für die Ortskernentwicklung der Grundzentren Stolzenau und Landesbergen zu treffen. Für Landesbergen werden sich in der Innenentwicklung neue Perspektiven ergeben, die „Hormansche Kurve“ und die bauliche Entwicklung in der Ortsmitte stehen auf der Agenda. Der Gemeinderat Stolzenau hat am 17. Januar zu entscheiden, ob der Ortskern mit einer Einzelhandelsentwicklung eine neue Perspektive erhalten soll.

Am stärksten ist die Vorfreude auf...

… den Start, die Fortführung und den Abschluss der vielen genannten Projekte und der täglichen Arbeit in der Samtgemeinde Mittelweser mit den Räten und meinen Kolleginnen und Kollegen.

Q.: Die Harke (30.12.2017)

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