Inhalt: Jubiläum an der Ostsee: 50 Jahre TKW - Jugendfreizeit "Lensterstrand"

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Jubiläum an der Ostsee: 50 Jahre TKW - Jugendfreizeit "Lensterstrand"

Eine Quizfrage der Strand-Rallye brachte die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der alljährlichen Sommerfreizeit im Jugendcamp Grömitz am Lensterstrand in diesem Jahr ganz schön zum Grübeln: Wie lange fährt der TKW schon nach Lenste und in welchem Jahr fand die traditionelle Freizeit das erste Mal statt?

Jubiläum an der Ostsee: 50 Jahre TKW - Jugendfreizeit "Lensterstrand"TKW Nienburg

Wer allerdings in den beiden Wochen vom 15. - 29.07.2017 gut aufgepasst hatte, für den war die Antwort kein Problem: Der TKW feierte in diesem Jahr das 50-jährige Jubiläum der traditionellen Ferienfreizeit am Lensterstrand!

Zu diesem besonderen Anlass waren Jugendleiter Christian Karassek, der seit 2007 die Ferienfreizeit leitet, sowie Dave Meehan, der sich das zehnte Jahr als Betreuer auf die Fahnen schreiben konnte, zu einem Empfang ins Rathaus der Stadt Grömitz eingeladen. Nicht nur Glückwünsche und Geschenke konnten entgegen genommen werden, auch ein konstruktiver Dialog über die Zukunft des Jugendcamps wurde geführt. Karassek und Meehan gewannen übereinstimmend den positiven Eindruck, die Stadt interessiere sich ehrlich für die Belange der anreisenden Gruppen und setze sich auch für die schon in den Fokus genommene Modernisierung der Campanlage ein. Im nächsten Jahr teilnehmende Kinder und Jugendliche können sich auf einen eintrittsfreien Badespaß im Erlebnisbad „Grömitzer Welle“ freuen, zu dem die Stadt Grömitz bereits jetzt eingeladen hat.

Für den TKW Nienburg ist die Sommerfreizeit ein fester Bestandteil des Vereinslebens. Davon zeugt nicht nur die stetig hohe Teilnehmerzahl zwischen 30 und 40 Jugendlichen im Alter zwischen zehn und 15 Jahren, sondern auch die Tatsache, dass sich über fünf Jahrzehnte bereits die dritte Betreuergeneration ehrenamtlich in der Vor- und Nachbereitung sowie der Durchführung des Sommercamps engagiert, oft auch auf Kosten der eigenen Urlaubstage - nicht wenige davon selbst ehemalige Teilnehmerinnen und Teilnehmer des TKW-Jugendcamps, die sich für ein zweiwöchiges Zeltabenteuer auch als verantwortliche Betreuer noch begeistern können.

Dies liegt nicht zuletzt an der attraktiven Gestaltung der Freizeit, die sowohl Jugendliche als auch Betreuer Jahr für Jahr an die Ostsee bringt: Natürlich sind Freizeit und Erholung oberstes Gebot, aber auch Affinität zum Sport in den verschiedensten Facetten bei Kindern und Jugendlichen herzustellen und Interesse an Aktivität in der Gruppe zu wecken ist ein Anliegen des TKW. Auch die traditionellen Ausflüge in den Hansapark und zu den Karl-May-Festspielen haben im Laufe der Jahrzehnte ihren Reiz nicht verloren.

In all diesen Aktivitäten spiegeln sich auch die Grundideale des TKW Nienburg wider, der sich der Förderung von Sport und Gemeinschaft verpflichtet sieht. Diese Anliegen manifestierte schon Marlies Beermann, die als Initiatorin des Jugendlagers und Betreuerin der „ersten Stunde“ von 1966 bis 1983 einen Trend setzte, der sich in seinen Leitgedanken bis in die heutige Zeit fortschrieb.

In diesem Sinne war es den Gründern der Freizeit von Beginn an wichtig, den Luxus einer Ferienfreizeit am Meer auch Kindern und Jugendlichen aus sozial schwächeren Verhältnissen zu ermöglichen.

Ein solches Jubiläum ist zweifellos ein Grund zur Freude - Kritiker mögen an einem solchen Punkt aber auch fragen, ob eine Ferienfreizeit mit begrenztem Zugang zu Strom und elektronischem Vergnügungsangebot überhaupt noch zeitgemäß sein könne.

Dennoch: Die diesjährig ausgebuchte Freizeit hat mit 40 Teilnehmerinnen und Teilnehmern eine Grenze erreicht, innerhalb derer eine verantwortungsvolle und fürsorgliche Betreuung noch möglich ist. Das Interesse bestätigt die ungebrochene Anziehungskraft eines solchen Gemeinschaftserlebnisses und rechtfertigt den organisatorischen Aufwand, den Verein und Verantwortliche Jahr für Jahr erbringen.

Wichtiger aber als die nüchternen Zahlen ist die persönliche Bilanz der Mitfahrenden:

Überdauernde Freundschaften - in Zeltgemeinschaften entstanden, das Zusammen-wachsen in einem vielfältigen und abwechslungsreichen Ferienprogramm, Erfahrungen wie Lagerfeuer und Stockbrot, das viele Kinder und Jugendliche oft nur aus zweidimensionaler Sicht kennen und die erstaunte Erkenntnis derer, die in einer multimedialen Welt aufwachsen und nach wenigen Tagen eingeschränkten Handyempfangs und nächtlicher Medienabstinenz feststellen, „dass man es eigentlich gar nicht richtig vermisst“. Selbst der ungeliebte Küchendienst scheint den meisten ein erträglicher Preis für eine Zeit ohne Eltern, im eigenen Zelt mit dem aufregenden Gefühl von Selbstständigkeit – wohlwissend, dass wachsame Augen im Hintergrund sind und jeder ein offenes Ohr für Sorgen und Nöte findet, sollte sich bei aller Euphorie doch noch ein wenig Heimweh einschleichen.

Sogar das nächtliche Plätschern des Regens, der an der Ostseeküste einfach nicht immer zu vermeiden ist, stellt weniger ein Ärgernis als eine neue, aufregende Erfahrung fernab des eigenen, gut gedämmten Schlafzimmers dar: Das leise Flüstern, das vorne am Betreuerzelt nur weniger gut zu hören ist, das Einmummeln in Decken und Schlafsäcke, die Wärme von selbst genähten Kirschkernkissen - keine Pauschalreise der Welt kann den Kindern und Jugendlichen diese ganz unmittelbaren Erlebnisse bieten. Der besondere Reiz des Zeltlebens erklärt, warum die Umsiedlung der TKW-Ferienfreizeit im Jahr 2006 in die nahegelegene Jugendherberge in Dahme einmalig blieb und man in den Folgejahren alles daransetzte, wieder die „heimatliche“ Zeltstraße im Camp bevölkern zu können.

Credo und Grundgedanken des Jugendlagers am Ostseestrand blieben über 50 Jahre nahezu unverändert, und doch fanden kreative Innovationen des Betreuerteams Eingang in das Konzept, das so auch immer zeitgemäß gestaltet und bis heute attraktiv gehalten werden konnte.

Optimistisch resümiert Karassek daher: „Das Zeltlager in Lenste bleibt, wie es ist, weil es nicht mehr zu sein braucht, als es ist.“

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