Inhalt: Nienburger Erinnerungskultur setzt Zeichen für Demokratie und gegen Verschwörungsmythen und Antisemitismus

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Nienburger Erinnerungskultur setzt Zeichen für Demokratie und gegen Verschwörungsmythen und Antisemitismus

Veranstaltungen zum Holocaust-Gedenktag: Ausstellung, Gedenkstunden und Information über Fake News

1944 wurden Shaul Ladany, seine Eltern und zwei Geschwister mit vielen anderen Jüdinnen und Juden aus Ungarn nach Deutschland ins KZ Bergen-Belsen verschleppt. (Foto aus der Ausstellung)Stadt Nienburg/Weser

Der 27. Januar, der Tag der Befreiung des Vernichtungslagers Auschwitz, ist der Internationale Holocaust-Gedenktag. Seit 1996 wird an diesem Tag in Deutschland, seit 2005 auch weltweit, der Opfer der nationalsozialistischen Vernichtungspolitik gedacht. Vor allem Juden und Jüdinnen, Sinti und Roma, Menschen mit Behinderungen und psychisch Kranke fielen dem Terror, den Deportationen und der Ermordung in Konzentrationslagern zum Opfer. Auch Homosexuelle, Zeugen Jehovas, Kriegsgefangene, zur Zwangsarbeit Verschleppte und politische Gegner wurden systematisch verfolgt, gequält oder durch unmenschliche Arbeitsbedingungen ermordet. In allen diesen Opfergruppen befanden sich auch Menschen aus Nienburg und Umgebung. Trotz der wegen der gegenwärtigen Pandemie schwierigen Veranstaltungsbedingungen will der Arbeitskreis Gedenken der Stadt Nienburg deshalb dieses Datum nicht unbeachtet verstreichen lassen. „Angesichts der Begleiterscheinungen der Pandemie“, sagt der Arbeitskreisvorsitzende Thomas Gatter, „ist es wichtiger denn je, die gegenwartsorientierte Erinnerungskultur zu pflegen. Wir müssen damit starke Zeichen für die Demokratie und gegen die auch in Nienburg und Umgebung grassierenden Verschwörungsmythen und den Antisemitismus der Querdenker und Corona-Leugner setzen.“ Denn die starke Resonanz dieser Gruppen bei eher unpolitischen Teilen der Bevölkerung zeige, wie „gesellschaftsfähig“ deren undemokratische Einstellungen bereits geworden sind. Das Gebot der Stunde sei längst nicht mehr „Wehret den Anfängen“, sondern „Stoppt den Prozess der Annäherung“ zwischen rechtsextremen Zielsetzungen und der Mitte der Gesellschaft.

Um dies zu erreichen, setzt der Arbeitskreis Gedenken verstärkt auf Kooperationen. Jüngste Kooperationspartnerinnen sind die Nienburger „Omas gegen Rechts“. Bei der Ausstellung, die ab Donnerstag, 20. Januar im Vestibül des Rathauses zu sehen ist, versicherte sich der Arbeitskreis der Zusammenarbeit mit der Gedenkstätte Bergen-Belsen. Inhalt der Ausstellung ist das Schicksal des israelischen Wissenschaftlers und Leichtathleten Shaul Ladany, der als Kind den Holocaust überlebte und 1972 als Olympiateilnehmer in München dem Terroranschlag auf die israelische Equipe nur um Haaresbereite entkam. Auch die Deportationen aus den unter deutscher Besetzung stehenden Balkanländern und die Rettungsversuche von Zionisten wie dem Schweizer Rudolf Kasztner werden thematisiert. Nachdem die Ausstellung „Lebensläufe – Verfolgung und Überleben im Spiegel der Sammlung von Shaul Ladany“ im Herbst letzten Jahres erstmals im Niedersächsischen Landtag gezeigt wurde, wird sie jetzt vom 20. 1. bis 28. 2. im Nienburger Rathaus zu sehen sein. Leider kann aufgrund der ansteigenden Coronazahlen zur Eröffnung keine Präsenzveranstaltung stattfinden, stattdessen wird die Ausstellung online eröffnet. Das Eröffnungsvideo wird ab 20. Januar unter abrufbar sein.

Ebenfalls am 20. Januar von 17:30 Uhr bis 20 Uhr organisieren der Arbeitskreis Gedenken und das Nienburger Kulturwerk eine online Diskussion über Verschwörungsmythen und Fake News mit Alice Echtermann vom Netzdienst Correctiv-Faktencheck. Die Zugangsdaten erhält man nach Anmeldung unter info@nienburger-kulturwerk.de.

Für den 27. Januar selbst sind mehrere Veranstaltungen geplant. Eine interreligiöse Andacht findet in Kooperation mit dem evangelischen Kirchenkreis um 15 Uhr auf dem Jüdischen Friedhof statt, Pastor Georg Beck von der Kreuzkirche und der Langendammer Sankt-Johannigemeinde spricht. Das traditionelle Niederlegen von Blumen an der Erinnerungstafel der Jüdischen Gemeinde am Rathaus ist um 17 Uhr. Die Teilnehmenden sind eingeladen, anschließend zum Mahnmal am Weserwall zu kommen. Dort lädt um 18 Uhr das Junge Forum gegen Antiziganismus in Erinnerung an die Opfer aus Sinti-Familien zu einem gemeinsamen Kerzenzünden ein. Der Arbeitskreis Gedenken und die Stadt Nienburg/Weser rufen zur Teilnahme an allen Veranstaltungen auf und bitten um verantwortungsvolle Einhaltung der Corona-Regeln (2 G, Maske und Abstand).

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