Inhalt: „Ein Tag Feuerwehr“

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„Ein Tag Feuerwehr“

Gleich fünf Einsätze an einem Tag, das ist nicht alltäglich für die Stolzenauer Wehr. Brandmeldeanlage, zwei verschiedene Brände, ein Verkehrsunfall und Gefahrgutunfall forderten die Kameradinnen und Kameraden der Freiwilligen Feuerwehr Stolzenau am Samstag, 27. April.

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Glücklicherweise waren es nur Übungen. Ein ganzer Tag war hierfür von langer Hand vom stellvertretenden Ortsbrandmeister Andreas Fiegler und vom Gruppenführer Torsten Hahn geplant. Die neuen Besitzer vom Forstgut Eickhof  (ehemals IVG-Gelände bzw. Pulverfabrik Liebenau) haben dafür das Gelände zur Verfügung gestellt. Es bot ideale Bedingungen. Auf dem zwölf Quadratkilometer großen Gelände befinden sich ca.

80 Kilometer Straßen, 40 km Schienennetz und rund 400 Gebäude, davon einige unterirdisch.

Bereits um 6:30 Uhr in der Früh trafen sich über 30 Kameradinnen und Kameraden am Feuerwehrgerätehaus in Stolzenau. Nach einer Sicherheitsbelehrung, Fahrzeugeinteilung und Bestückung mit zusätzlichem Material ging es im Konvoi mit sämtlichen Feuerwehrfahrzeugen und weiteren Fahrzeugen los. Der Brandschutz in Stolzenau war durch umliegende Wehren an diesem Tag sichergestellt. Auf dem Übungsgelände wurde in einer alten Maschinenhalle Quartier bezogen und direkt danach ging es los.  Oliver Windhorst und weitere Helfer aus der Feuerwehr Pennigsehl hatten dann die konkrete Ausarbeitung und Vorbereitung übernommen. Der Förderverein „Freunde der Ortsfeuerwehr Stolzenau e.V.“ hat diesen Tag finanziell kräftig unterstützt und die Kosten komplett übernommen, beispielsweise für die Verpflegung und weiteres Material.

Ein Rettungswagen und vier Personen vom Rettungsdienst begleiteten uns nicht nur zur eigenen Absicherung sondern um realitätsnah ins Geschehen bei den Übungen eingebunden zu sein und auch hier die Zusammenarbeit bei Einsätzen zu üben. Dies klappte jeweils Hand in Hand. Da der Rettungsdienst im Landkreis Nienburg durch verschiedene Maßnahmen und Veranstaltungen gebunden war, erklärte sich dankenswerter Weise ein Team vom Rettungsdienst Landkreis Diepholz zur Unterstützung bereit! Dank einigen Darstellen und Helfern, die Unfallopfer spielten, aus brennenden Gebäuden zu retten waren, aus verunfallten Fahrzeugen befreit werden mussten oder an den Einsatzstellen Betroffene mimten. Es waren Wunden geschminkt und Kunstblut floss, aufgeregte Betroffene wurden gespielt und realitätsnah konnten so die Einsatzstellen dargestellt werden.

 1.Übung: Brandmeldeanlage

 Scheinbar harmlos fing es an: „Auslösung Brandmeldeanlage“ lautete das erste Einsatzstichwort, das die Übungsleitung von der simulierten Leitstelle aus übermittelte.  In einem Parkhaus erlitt die Fahrerin eines PKW einen medizinischen Notfall und brach bewusstlos hinter dem Steuer zusammen. Ihr Automatik-PKW steuerte daraufhin im „Parkhaus“ so ungünstig in eine Ecke, dass sie in ihrem Auto eingeklemmt war. Durch den Aufprall gelangte Kühlflüssigkeit auf den heißen Motorblock und verdampfte, dies war der vermeintliche Rauch, der die Brandmeldeanlage auslöste. Hier galt es, die Fahrerin patientengerecht aus dem Auto zu befreien und dem Rettungsdienst zu übergeben. Schweres hydraulisches Rettungsgerät kam zum Einsatz, der Brandschutz wurde sichergestellt und diese erste Einsatzlage abgearbeitet.

Nach einer kurzen direkten Nachbesprechung vor Ort ging es zum Quartier, wo sich alle mit einem Frühstück stärken konnten.

Die zweite Übung schloss sich direkt am Vormittag an.

2.Übung: Verkehrsunfall

Eine vertrackte Unfall-Lage bot sich den Rettern beim nächsten Szenario. Zwei PKW, einer davon mit Anhänger, waren in einen Unfall verwickelt und im Bahnhofsbereich vom Bahnsteig ins Gleisbett gekracht und miteinander verkeilt. Eine Person war durch die Wucht aus dem Auto geschleudert worden, zwei weitere Personen waren jeweils in den PKW eingeklemmt und mussten nach Stabilisierung der Fahrzeuge aus diesen befreit werden.

Nach der erneuten direkt am Ort durchgeführten Nachbesprechung ging es zum Quartier, wo ein schmackhaftes Mittagessen mit Schnitzeln und Beilagen zur Stärkung bereitstand.

 3.Übung: Gefahrgutunfall

Zu einem Gefahrgutunfall rückten die Einsatzkräfte zur nächsten Übung aus. In einem Labor im Keller eines Gebäudes hatte es einen Unfall beim Hantieren mit mehreren gefährlichen Stoffen gegeben. Ein Sicherheitsbereich wurde abgesperrt. Mehrere Feuerwehrleute rüsteten sich neben dem normalen Atemschutz zusätzlich mit den schweren Chemikalien-Schutz-Anzügen (CSA) aus. Weitere Kräfte bauten eine Not-Dekon auf, um Personen und Material aus dem betroffen Bereich dekontaminieren zu können, also von schädlichen Stoffen zu befreien bzw. zu reinigen. Die vorhandenen Stoffe wurden überprüft, die Kräfte unter CSA nahmen zudem Proben um genau die Zusammensetzung bestimmen und die Gefährlichkeit der Stoffe einschätzen zu können.

  • 4. Übung: Massenanfall von Verletzten – Feuer im Bürokomplex
  • MANV lautete ein Stichwort beim nächsten Brandeinsatz, also ein Massenanfall von Verletzten. Dies führte die Einsatzkräfte zu einem mehrgeschossigen Bürokomplex. Das Feuer hatte sich unglücklicherweise im Treppenhaus ausgebreitet und machte dies unzugänglich. Dadurch war nicht nur der Rettungsweg für mehrere Personen im oberen Stockwerk abgeschnitten, auch die Rettungskräfte mussten sich auf andere Weise Zugang verschaffen. Mehrere Leitern wurden in Stellung gebracht, mehrere Trupps unter PA (Atemschutzgeräte) gingen zur Personensuche und Brandbekämpfung vor.

  • Übung: Brandeinsatz, Feuer im Gebäude
  • Durch viele verlassene, teils jahrelang ungenutzte und abbruchreife Gebäude gab es die Möglichkeit, in einem solchen Gebäude mit echtem Feuer und Rauch statt nur mit Kunstnebel aus der Nebelmaschine zu üben. Leider wurden nicht nur die Schläuche, sondern alles nass, da das Wetter im Gegensatz zum sonnigen Vormittag zum Nachmittag regnerisch wurde. Dies hinderte die Einsatzkräfte aber keineswegs, genauso routiniert auch diese Lage abzuarbeiten. Die Wasserversorgung wurde aufgebaut und zeitgleich mit dem Rettungsdienst die Arbeit aufgenommen. Wiederum unter PA gingen Trupps zur Brandbekämpfung und Menschenrettung vor.

    Das im Gebäude verteilte und entzündete Stroh tat seine Wirkung, massive Rauchentwicklung trat auf. Ein Lüfter wurde in Stellung gebracht und weitere Maßnahmen ergriffen. Dadurch konnten die betroffenen Personen gerettet, versorgt und dem Rettungsdienst übergeben werden. Kurz darauf erfolgte die Meldung „Feuer aus.“

    Dadurch, dass jeweils jede Übung direkt vor Ort nachbesprochen wurde, konnte für alle ein Lernerfolg und eine Vertiefung erzielt werden. Nicht nur die jeweiligen Kräfte konnten das eigene Tun hinterfragen, auch die an anderen Stellen eingesetzten Kameraden bekamen zudem tiefere Einblicke in Einsatzgeschehen auch an Stellen, die sie während des Ablaufes selbst nicht einsehen konnten. Konstruktiv-kritisch, aber in weiten Teilen lobend fanden die Übungsleiter und Beobachter Wort und Rückmeldungen, um die jeweilige Lage für alle gewinnbringend zu erläutern und ggf. Hilfestellung für weitere Verbesserungen zu geben.

    Nachdem auf dem Übungsgelände alles zurückgebaut war, fuhr die Fahrzeugkolonne gegen 17:00 Uhr wieder das Stolzenauer Feuerwehrhaus an. Hier wurde alle Fahrzeuge wieder einsatzbereit gemacht und die Ausrüstung gereinigt.

    Im Anschluss gab es hier noch einen gemütlichen Grillabend, um einen erlebnisreichen und eindrucksvollen Tag bei guter Kameradschaftspflege ausklingen zu lassen.

    Alle Texte, alle Fotos von der Feuerwehr Stolzenau

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