Inhalt: Die Restaurierung der „Judith“ – ein Einblick in die Museumsarbeit trotz geschlossener Türen

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Die Restaurierung der „Judith“ – ein Einblick in die Museumsarbeit trotz geschlossener Türen

O. Mengelberg - JudithMuseum Nienburg/Weser

In der Sammlung des Museums lagert ein Gemälde mit einer besonderen Geschichte. Das Objekt befindet sich derzeit in einem sehr schlechten Erhaltungszustand und bedarf dringend einer Restaurierung. Mit der großzügigen Unterstützung der Wirker-Stiftung ist es nun gelungen, dieses umfangreiche Projekt zu beginnen.

Das 1,80 m hohe Gemälde trägt den Titel „Judith“, geschaffen von Otto Mengelberg im Jahr 1837. Das Motiv des Bildes zeigt Judith, die den vermutlich fiktiven assyrischen Feldherrn Holoferners ermordet hat. In zahlreichen Gemälden ist die Geschichte der beiden aus dem Alten Testament dargestellt worden. Judith agiert dabei als Verkörperung von Mut, Entschlossenheit und aufopferungsvoller Vaterlandsliebe, verknüpft mit weiblichen Reizen.

Mengelberg war seit 1834 unter Sohn und Schadow Schüler der Königlichen Kunst-Akademie zu Düsseldorf und beteiligte sich mit diesem Bild 1838 an der Ausstellung des Kunstvereins für die Rheinlande und Westphalen. Zur Förderung des Künstlernachwuchses kaufte der Kunstverein regelmäßig rund 50 Bilder eines Jahrgangs der Königlichen Kunst-Akademie an, die dann unter den Vereinsmitgliedern als Jahresgabe verlost wurden. Die „Judith“ ging per Los an Herrn W. Werlé zu Barmen – er war Mitglied des Preußischen Abgeordnetenhauses, Unternehmer und Stadtverordneter in Barmen, das heute zu Wuppertal gehört.

Doch wie gelangte das Gemälde nun in den Besitz des Museums Nienburg? Viele Abschnitte seiner Überlieferungsgeschichte liegen für das Museumsteam noch im Dunkeln und es ist fraglich, ob sich diese Lücken jemals füllen lassen. Bekannt ist, dass das Gemälde 1964 durch eine Schenkung von Frau Louise Kiehne aus Stolzenau in die Sammlung des Museums gelangte. Aus dem Eingangsbuch des Museums geht hervor, dass die Familie Kiehne das Bild aus dem Besitz des Amtmanns von Stolzenau, Gustav Carl Ernst von Beulwitz käuflich erworben hatte. Welchen Weg das Gemälde aus dem Besitz von Werlé in den Bestand des Amtmanns genommen hat, ist bisher ungeklärt. Nach der Schenkung taucht das Gemälde noch einige Male in den Unterlagen des Museums auf, es war jedoch nie im ausgestellt.

Anfang 2008 bekam der Museumsleiter des damals in Nienburg ansässigen Ostdeutschen Heimatmuseums (OHM), Dieter Lonchant, vom Schulleiter des Nienburger Gymnasiums Albert-Schweitzer-Schule, Dr. Ralf Weghöft, den Hinweis, dass auf dem Dachboden der Schule ein fast lebensgroßes Gemälde einer „Germania“ stünde, die er dem OHM leihweise überlassen würde. Umgehend wurde das Gemälde dort vom Dachboden geholt und im OHM an einer großen Wand aufgehängt. Das Gemälde befand sich zu dieser Zeit schon in einem denkbar schlechten Zustand. Die Leinwand weist mehrere Löcher und Abplatzungen der Malschicht auf, das Gemälde und der Rahmen sind stark verschmutzt. Unsachgemäße Übermalungen zeigen die Judith heute mit einem ganz anderen Gesicht, als es Mengelberg ursprünglich gemalt hatte.

Bei der Auflösung des OHM im Jahr 2012 stellte sich heraus, dass es sich bei dem Gemälde um die „Judith“ aus der Sammlung des Museums Nienburg handelte und das Stück kam mit anderen Leihgaben zurück in den Besitz des Museums.

Bei den weiteren Recherchen zur Provenienz des Gemäldes stieß Volker Rohner, Sammlungsleiter im Museum und stellvertretender Museumsleiter, in der neueren Literatur auf den Hinweis, dass das Mengelberg‘sche Gemälde „Judith“ in der Niedersächsischen Landesgalerie Hannover bzw. im Niedersächsischen Landesmuseum Hannover zu finden sei. Eine Anfrage beim zuständigen Kurator konnte das bestätigen. Die Provenienz des dortigen Gemäldes ist angegeben als „Königlich Hannoverscher Besitz“, gemalt für den König von Hannover, erworben 1925. Es gab also zwei identische Gemälde vom gleichen Maler mit demselben Motiv! Tatsächlich taucht in der Literatur auch der Vermerk auf, dass Mengelberg zwei „Judiths“ gemalt hat. Eine ist im Besitz des Museums Nienburg, die andere hing im Schloss der Welfen und befindet sich heute in der Sammlung des Landesmuseums.

Nach der Annexion des Königreiches Hannover durch Preußen wurde das Privatvermögen des exilierten Georg V. zunächst beschlagnahmt. 1893 wurden die wieder freigegeben Bestände des „Königlichen Welfenmuseums“ und der sogenannten Cumberland-Galerie aus dem Privatbesitz des Königshauses in das Provinzialmuseum überführt. 1925 wurde ein großer Teil der Gemälde verkauft - einen kleinen Teil konnte die Provinz erwerben, der Rest verblieb offenbar auf der Marienburg oder wurde von dort verstreut. Die „Judith“ des Landesmuseums gehörte offenbar zu den Stücken, die für das heutige Landesmuseum angekauft werden konnten.

Auch wenn das Museum Nienburg derzeit für die Öffentlichkeit geschlossen ist, die Arbeit hinter den Kulissen geht natürlich weiter. Und wir haben eine wertvolle Sammlung, die es zu bewahren gilt. Deswegen sind wir froh berichten zu können, dass die Restaurierung der „Judith“ begonnen hat. In ein paar Monaten soll sie dann ihren neuen Platz im Quaet-Faslem-Haus finden und dort für jeden zu besichtigen sein.

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