Inhalt: Objekt des Monats November: Ein Bronzeschwert vom Typ „Sögel“

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Objekt des Monats November: Ein Bronzeschwert vom Typ „Sögel“

Bronzeschwert_Typ_SögelMuseum Nienburg/Weser

Im Jahre 1927 untersuche der deutsche Prähistoriker Ernst Sprockhoff Funde der Bronzezeit aus dem Altkreis Aschendorf-Hümmling und definierte einen Dolch- bzw. Kurzschwerttyp: den Typ „Sögel“. Funde dieses Typs hatten einen mittlerweile vergangenen Griff aus Holz oder Knochen, eine geschweifte Klinge mit gedengelten Schneiden, einem dach- oder rautenförmigen Querschnitt durch die Klinge, einen halbkreisförmigen Griffausschnitt und vier bis fünf Niete, die entsprechend dem Griffende halbkreisförmig am Rande der Griffplatte angeordnet waren. Viele Klingen hatten zudem eine Verzierung aus einem Strichbündel, das dem Schneidenverlauf folgte, am Griff offen war und sich im unteren Drittel der Klinge vereinte. Außen wurde dieses Strichbündel von einer Punktlinie begrenzt und innen von ein bis zwei Reihen kleiner Bogengirlanden.

Schwerter des Typs „Sögel“ fanden sich bislang vor allem in Niedersachsen, Westfalen und Schleswig-Holstein, teilweise auch auf Jütland und in den Niederlanden. Einzelne Exemplare sind aus Thüringen, Sachsen, Hessen und vom linken Niederrhein bekannt. Sehr häufig fanden sich die Schwerter in Hügelgräbern und waren dort mit anderen Funden den Toten beigegeben. Zu den charakteristischen Grabbeigaben zählen Randleistenbeile, Feuerschlagsteine, flachrechteckige Schleifsteine und Feuersteinspitzen, seltener Keramikgefäße und Goldschmuck, berichtet Dr. Daniel Lau, Kommunalarchäologe der Schaumburger Landschaft.

Im Rahmen mehrerer Feldbegehungen auf einer Fundstelle bei Dedendorf im Flecken Bücken entdeckte Kay Jebens, ehrenamtlich Beauftragter für Archäologie im Landkreis Nienburg, mehrere Bruchstücke eines bronzenen Schwertes. Die Fundstelle liegt südlich von Hoya auf einem Geestrücken in einer Höhe von 18 Metern über dem Meeresspiegel und einen Kilometer westlich des heutigen Weserlaufes.

Fünf Klingenbruchstücke des Schwertes passen direkt aneinander. Ein sechstes Bruchstück der teilweise erhaltenen Griffplatte dürfte ebenfalls hinzugehören. Die dünneren Partien des Griffes mit den Nietlöchern und die Schneiden der Klinge sind komplett abgebrochen beziehungsweise bestoßen. Risse und Verbiegungen weisen auf äußere Gewalteinwirkung hin, möglicherweise durch Ackergeräte, da die Funde sich innerhalb des Pflughorizontes in landwirtschaftlicher Nutzfläche befanden.

Insgesamt lässt sich mit den sechs Fragmenten eine Mindestlänge von 34 cm zuzüglich des organischen Griffes rekonstruieren – damit gehört der Fund zu den längeren Schwertern des Typs „Sögel“. Auf den griffnahen Klingenbruchstücken ist beiderseits gleichläufig mit den Schneiden jeweils ein Bündel aus vier parallelen Linien eingeritzt. Daran setzen innen Bogengirlanden und außen Punktlinien an. Diese Verzierungen werden in der von Grabungstechniker Klaus Gerken angefertigten Zeichnung deutlich.

Diese Verzierung sowie die Gesamtform des Schwertes ist für den Typs „Sögel“ charakteristisch, so dass sich der Fund in den sogenannten Sögel-Wohlde-Grabsittenkreis am Ende der Frühbronzezeit/der frühen mittleren Bronzezeit (ca. 1600–1500 v. chr. Z.) datieren lässt.

Das Schwert wird ab 1. November im Schaumagazin im Fresenhof gezeigt.

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